Buchkritik

Hier könnt ihr Buchkritiken lesen, die in den Schreibwerkstätten entstanden sind. Wenn ihr schon eine Buchkritik geschrieben habt und hier veröffentlichen wollt, schickt sie uns gerne!

Für Euch gelesen und bewertet:

 

 

In dem Jugendroman „Glimmernächte“ von Beatrix Gurian geht es um die Jugendliche Pippa, die ihren Vater schon als Kind verloren hat und noch immer darunter leidet. Nun muss sie nach der erneuten kurzfristigen Verlobung ihrer Mutter gemeinsam mit ihrer Familie zu ihrem neuen Stiefvater ziehen- und der ist ausgerechnet ein reicher Graf, der in einem Schloss in Dänemark wohnt. Dabei würde Pippa viel lieber bei ihren Freunden in Berlin bleiben und weiterhin bouldern, statt ihre Tage in einem langweiligen alten Schloss zu verbringen. Doch kaum hat die Reise begonnen, wird Pippa bereits vor ein Rätsel gestellt. Warum kann sich bloß niemand außer ihr an das Rehkitz erinnern, das auf dem Weg zum Schloss angefahren wurde? Hat sie sich das etwa nur eingebildet? Als sich die seltsamen Ereignisse um Pippa häufen, glaubt sie zuerst, verrückt zu werden. Doch dann ist da noch Niels, ihr mysteriöser, angeblich verrückter Stiefbruder, der Antworten zu haben scheint, sie aber nicht hergeben will. Was hat die Familie Ravensholm für ein Geheimnis? Und vor allem: Was hat Pippa mit der Sache zu tun?

Der Stil des Buches ist abwechslungsreich und nicht zu karg, wenn auch nicht besonders ausgeschmückt. Das hilft jedoch dabei, die Handlung besser nachzuvollziehen und die Charaktere zu verstehen, nur selten wirkt es ein wenig öde. An Personenbeschreibungen wurde leider gespart; auf das Aussehen der verschiedenen Charaktere wird jeweils nur kurz eingegangen.

Es wird aus Pippas Sicht erzählt und der Leser hat Einblick in ihre Gedanken und Gefühle, nicht jedoch in die anderer Charaktere. Das Geschehene wird dadurch noch intensiver und spannender. Besonders beeindruckend ist es, wie dazu veranlasst wird, Pippas Gedanken als seine eigenen anzusehen und sie ohne nachzudenken für die Wahrheit zu halten- das bringt viele Überraschungen ins Leseerlebnis.

Auch die Charaktere wachsen einem sofort ans Herz, selbst wenn sie zuerst in schlechtem Licht dargestellt werden. Mit Pippa kann man sich schnell identifizieren, einige Charakterzüge an ihr treten jedoch erst im Laufe der Geschichte überraschend zum Vorschein. Doch obwohl das Buch aus ihrer Sicht geschrieben ist, wird ihre Persönlichkeit nur ziemlich oberflächlich dargestellt. Aus ihren Handlungen lässt sich vieles schließen, doch wirklich tiefe Charakterzüge werden ihr nicht verliehen.

Aber das gilt für andere Charaktere nicht. Sie aus Pippas Sicht vorgestellt zu bekommen verleiht ihnen mehr Leben und knüpft sofort sowohl positive als auch negative Eindrücke an sie. Und obwohl Pippa die Hauptperson ist, kann man sich genauso gut in andere Charaktere einfühlen und ihre Handlungen nachvollziehen.

In der Handlung gibt es eindeutig einen roten Faden, der sich durch das gesamte Buch zieht, trotz der vielen Handlungswechsel. Dem Leser werden mehrere Puzzlestücke vorgeworfen, die einzeln keinen Sinn zu ergeben scheinen, am Ende jedoch perfekt zusammen passen. Zwischendurch können diese vielen einzelnen Teile aber auch verwirren. Man muss sich konzentrieren, um beim Lesen jedes noch so kleine Detail aufzunehmen und im Kopf zu behalten.

Dadurch, dass Pippa nach einigen Verwirrungen glaubt, Halluzinationen zu haben, wird es spannender. Man weiß nie, was echt ist und was nicht, beginnt an der Handlung zu zweifeln und fragt sich immer wieder, wie scheinbar unpassende Teile der Geschichte doch noch passen könnten. Besonders interessant ist es dabei, Pippa dabei zuzusehen, wie selbst immer wieder schwankt und aufgeben will, da sie glaubt, bei allem Unnormalen was sie gesehen hat, handele sich um einen Traum. Bis zum Schluss kann man sich fragen, ob Pippa vielleicht einfach alles liegen lässt und es ignoriert.

„Glimmernächte“ ist auf jeden Fall lesenswert, vor allem die ausgeklügelte Handlung macht es interessant bis zum Schluss. Trotz der teilweise schwammigen Beschreibungen lässt sich die Handlung bei konzentriertem Lesen gut nachvollziehen und vor allem die Charaktere machen es einfach, dieses Buch zu lieben.